Die Brücke am Kwai - Allzumenschliches in Zeiten des Krieges

Die Handlung von „Die Brücke am Kwai“

Der Regisseur David Lean realisierte dieses Kriegsdrama 1957 nach einem Roman des Franzosen Pierre Boulle. Die Handlung spielt im Jahr 1943 in einem japanischen Kriegsgefangenenlager in Thailand. Die Inhaftierten, u.a. Briten und Amerikaner, leiden unter dem rigorosen Führungsstil des japanischen Kommandanten Saito. Dieser steht allerdings selber unter Druck, da er in kürzester Zeit eine strategisch bedeutende Holzbrücke über den nahe gelegenen Kwai-Fluß erbauen soll. Allerdings besteht der britische Offizier Nicholson hartnäckig darauf, dass seine Leute und er nicht wie gemeine Sklaven behandelt werden. Gleichzeitig versucht er den japanischen Lagerkommandanten davon zu überzeugen, dass sein Entwurf von einer Brücke, da stabiler konstruiert, viel besser und vor allem schneller zu erbauen sei. Da die Zeit drängt, ist die japanischer Seite bereit, auf Kompromisse einzugehen. Dass Nicholson damit dem Feind eigentlich behilflich ist, ist diesem einerlei. Für ihn zählt allein das Demonstrieren von britischer Überlegenheit. Es kommt zu Auseinandersetzungen innerhalb der Kriegsgefangenen. William Holden und Jack Hawkins spielen hier die Gegner, die immer wieder versuchen, Nicholson zur Vernunft zu bringen. Vergeblich, die Brücke wird unter der Leitung von Nicholson gebaut und in der vorgegebenen Zeit fertiggestellt. Nicholson hat gewonnen, und die Überlegenheit der Briten, die der Japaner eingestehen muss, klar unter Beweis gestellt. Nichtsdestotrotz wird die Brücke kurz darauf Opfer eines Bombenangriffs durch die Alliierten, obwohl Nicholson dies mit allen Kräften zu verhindern sucht. Denn für ihn stellt diese Brücke ein symbolisches Zeichen für die Ehre des britischen Empires dar.

Sinn und Sinnlosigkeit eines Krieges

Dieser Filmklassiker ist deswegen heute noch sehenswert, weil er für einen Kriegsfilm ein ausgesprochen stiller Film ist. Ohne großes Kriegsgeheul, Schießereien, Bombardements u.ä. wird dem Zuschauer auf eindrucksvolle Art deutlich gemacht, was für Auswirkungen der Krieg auf den Einzelnen haben und zu welchen geradezu grotesken Handlungen er führen kann. Gerade die Darstellung Alec Guinness als Offizier Nicholson ist ausgesprochen beklemmend. Sein Stolz, dieses übertriebene Maß an Pflicht- und Ehrgefühl beginnen sich zu verselbständigen. Andererseits liegt Nicholson auch daran, die menschliche Würde seiner eigenen Soldaten aufrecht zu erhalten. Der Bau der Brücke soll dem Feind die Überlegenheit des britischen Soldaten beweisen und gleichzeitig zeigen, dass er sich so schnell nicht bezwingen lässt. Aber auch die Gegenseite, die der japanische Schauspieler Sessue Hayakawa als Lagerkommandaten Saito verkörpert, wird nicht nur eindimensional dargestellt. Genauso wie Nicholson ist er gefangen in den Wertvorstellungen seiner Kultur und die gilt es, bis zum Schluss zu verteidigen. In diesem Sinne stehen sich die zwei Kontrahenten durchaus ebenbürtig gegenüber. Lean zeigt in seinem Kriegsfilm keinen Schuldigen, es gibt kein Schwarz oder Weiß, kein Gut oder Böse. Die Menschen, auch wenn sie auf der anderen Seite stehen, sind sich doch ähnlicher, als sie vielleicht wahr haben wollen - selbst oder gerade in extremen Situationen.